Phasen des Burnout-Syndroms

1. Phase Aggression und Aktivität (Kampf)
Gerade in der Anfangsphase wird den wenigsten Betroffenen die eigene Situation klar. Abhängig vom Willen und der Konstitution des Einzelnen kann diese Phase Jahre, im Extremfall sogar Jahrzehnte dauern. Zu Beginn ist der Leidensdruck noch nicht besonders hoch, die Menschen sind leistungsfähig, haben hohe Standards und Forderungen an sich und ihre MitarbeiterInnen. In dieser Phase wird ein eher kämpferisches Verhalten gezeigt, Sarkasmus und Zynismus sind entsprechende kommunikative Reaktionsformen. Große Geschäftigkeit, das Gefühl der Unentbehrlichkeit bei gleichzeitiger Verleugnung eigener Bedürfnisse bestimmen das Bild. Die Orientierung an Status und ein noch kontrollierter Umgang mit Alkohol, Nikotin, Einkäufen und anderen materiellen Fallen bereiten den Weg für die nächsten Phasen. An dieser Stelle denken noch die wenigsten an Burnout.

2. Phase – Flucht und Rückzug
Flucht und Rückzug bestimmen nun das Verhalten. In dieser Phase verringert sich die eigene Leistungsfähigkeit, wodurch nicht nur die Unzufriedenheit des sozialen Umfelds, sondern auch die eigene steigt. Typische Phänomene in dieser Zeit sind Planlosigkeit, das Gefühl, immer weniger Zeit zu haben, Geistesabwesenheit sowie steigende Fehleranfälligkeit bei der Ausführung von Aufgaben. Lebensabläufe beginnen sich zu verändern, das Essverhalten wird unregelmäßig, Bewegung wird entweder im Übermaß betrieben oder ganz vermieden. Die Betroffenen fühlen sich nicht mehr als einmaliges Individuum, sondern austauschbar. Nun beginnt der innere und äußere Rückzug. Distanz zu anderen und auch zu sich selbst schafft scheinbar Ruhe und Schutz. Die Betroffenen nehmen sich selbst nicht mehr richtig wahr, der Kontakt zum Umfeld wird verringert. Gefühle wie z.B. die Fähigkeit, sich in andere Personen einzufühlen (Empathie) werden weniger. Man meidet mehr und mehr soziale Kontakte außerhalb des Berufs. Panikattacken können auftreten und körperliche Symptome nehmen zu. In Kontakt mit anderen erscheint man zunehmend passiv und uninteressiert.

3. Phase – Isolation und Passivität (Erstarrung und Lähmung)
Oft steigt erst in dieser Endphase der Leidensdruck so an, daß Hilfe gesucht wird. Sucht spielt spätestens jetzt eine Rolle. Um den Gefühlen der Unerträglichkeit, der Ausweglosigkeit und aufkommenden suizidalen Tendenzen zumindest zeitweilig zu entgehen, wird eine Vielzahl von Substanzen mit Wirkung auf das Motivationssystem konsumiert: Alkohol, Medikamente, Drogen, Tabak. Depressionen und häufige Panikattacken treten auf, Partnerschaften zerbrechen, Sexualität, bzw. befriedigende Sexualität ist schon lange kein Thema mehr. Innere Zufriedenheit fehlt praktisch völlig. Eigene Ziele und deren Erreichung sind längst vergessen. In der Endphase leiden die Betroffenen an existentieller Verzweiflung, am Gefühl allgemeiner Hoffnungslosigkeit, die im Unterschied zur Depression eher aggressiv getönt ist. Der körperliche und seelische Zusammenbruch ist nahe, die Suizidgefahr hoch.